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Errichtung
Vorstand
Mitgliedschaft
Vereinsblatt
Activitäten
Erven Lucas Bols
Rykseigendom
ERRICHTUNG
Am 6. Juni 1979 wurde der Sammlerverein "De Oude Flesch" bei einer Tagung im
Bols-Museum in Nieuw Vennep errichtet. Bei dieser Tagung waren 16 Mitglieder
anwesend. Zur Zeit zählt der Verein etwa 180 Mitglieder, darunter auch einige
Ausländer, wie z.B. etwa 15 Sammler aus Deutschland
VORSTAND
Der Vorstand der "De Oude Flesch" besteht aus:
Harry Wagter - Vorsitzende
wagter@iae.nl
Joke Andringa - Sekretärin
d.gvanloenen@chello.nl
Klaas Prins - Schatzmeister
-
klaas.prins@wxs.nl
Vize Vorsitzende
Arie Vijfvinkel - 2e Sekr. und P.R.
vijfvinkel@hotmail.com
Willem van Traa -
wvantraa@xs4all.nl
Jan Ledegang
-
ledegang.ll@chello.nl
MITGLIEDSCHAFT
Der Mitgliedsbeitrag beträgt € 30.00 pro Jahr. Auch besteht die Möglichkeit,
für € 10.00 pro Jahr "Hausgenossenmitglied" zu werden. Pro Haushalt wird 4x im
Jahr das Vereinsheft zu geschickt.
Für eine Anmeldung der Mitgliedschaft von "De Oude Flesch" können Sie Kontakt aufnehmen mit unserer Sekretärin: d.gvanloenen@chello.nl
Möchten Sie weitere Auskünfte über "De Oude Flesch", dann können Sie Kontakt aufnehmen mit unserem P.R. Funktionär: A.Vijfvinkel vijfvinkel@hotmail.com
VEREINSBLATT
"De Oude Flesch" bringt jedes Quartal ein Heft mit interessanten Artikeln
heraus.
AKTIVITÄTEN
AUSLÄNDISCHE ACTIVITÄTEN
DIE BEHÄLTER VON ERBEN LUCAS BOLS
Peter Vermeulen Ravenstein, Niederlande
Vorwort
Die Firma Bols ist seit langer
Zeit ein typischer Likörfabrikant gewesen. Sie produzierte vornämlich für die
reichen Amsterdamer Bürger. Erst gegen 1780 wurde mit der Herstellung von einem
"Jan Hagel" Getränk wie Genever begonnen.
* Jan Hagel ist der Spottnahme
für einen Mann des Volkes, vergleichbar mit der Figur des “Michels” in
Deutschland.
In Jahr 1820 publizierte Bols
eine Preisliste mit etwa 300 unterschiedlichen Likören, Bitters, Elixers und
Genevern. Manche wurden niemals
produziert, aber es war die Absicht wenigstens den grossen Konkurrent "Wynand
Fockink" zu überbieten, der zu der Zeit "nur" 200 Sorten auf seine Preisliste zu
bieten hatte!
Bols offerierte 5 Kategoriën
alkoholischer Getränke:
1. "Exquise Liköre" wie Anisette, Crême d'Oranges, Fines de Portugal, Parfait d'Amour, Roosje zonder doornen (Röslein ohne Dornen), White Curaçao.
2. "Doppelt feine Liköre" wie Dubbele (doppelte) Pommeranz, Crême Virginal, Domini Alberti, Eau de ma Tante, Hoe langer hoe lekkerder (je länger je süsser), Kwartier voor vijven (Viertelstunde für Fünf Uhr), Willem I (Wilhelm I).
3. "Beste oder Reinische Liköre" wie Boezem Water (Busen Wasser), Kraam Water (Wochenbett Wasser) , Koliek Water (Kolik Wasser), Rijnlandsche Maag Bitters (Rheinländische Magen Bitters).
4. "Schiffs Liköre" wie Witte Schilletje (Zitronenlikör), Goud Water (Gold Wasser).
5. "Gewöhnliche Liköre" wie "Kraam Anijs" (Wochenbett Anis), "Kruidnagel Waters" (Kreutznagel Wassers) und wirklich ganz an letzter Stelle: .....Genever oder Jenever.
Das holländische Volksgetrank Nr 1 stand also deutlich am Ende im Konzept von Bols.
KRÜGE
Bis 1850 benutzte Bols keine
"eigenen" Krügen für das Abfüllen teil ihrer Getränken.
Lokalkunden nahmen gewönlich
eine eigene Flasche oder meistens einen deutsche Mineralwasserkrug mit zur
Distillerie.
Für die Verkäufen ausserhalb
Amsterdams wurden leere (Markenlose) Krüge aufgekauft von herumziehenden
deutschen Händlern.
Ein winziges Etiket wurde am
Krug aufgeklebt um den Inhalt zu beschreiben; z.B. "Fabriek 't Lootsje
Koliekwater".
Gegen die Mitte des 19.
Jahrhunderts wurden überall in den Niederlanden Wasserleitungsbetriebe
errichtet. Dass verursachte einem
ernsthafte Stagnation im Verkauf von deutsche Mineralwasserkrügen. Es lohnte
deshalb nicht mehr für die deutschen Händler mit leeren Krügen herumzuziehen.
Ab 1854
bestellte Bols sich seine Krüge direkt von einer deutschen Krugfabrik. Bis
zum heutigen Tage wurden die
Krügen noch immer bei der gleichen Fabrik bestellt!
Die Bols Krüge wurden so
bekannt in der Welt, dass - z.B. in Australiën – jede Tonkrug einem "Bols"
genannt wurde (der s.g. "Maggi-effect"), auch wenn sich Genever eines anderen
Herstellers oder sogar Mineralwasser darin befand.
Die Bols Krügen befassen im
19.Jh 1.21Lt (= 1 Mingel), 1Lt, 0.85Lt, 0.60Lt and 0.50Lt.
Im Ersten Weltkrieg stagnierte
der Import deutscher Krüge. Sie waren von der Regierung zu
“strategisch wichtigen Gütern” bestimmt worden, deren Export verboten war.
Nach dem Krieg brauchte Bols
selbstverständlich kurzfristig eine grosse Anzahl Krüge.
Der deutsche Hersteller könnte
schon lieferen, aber .... ohne die zeitraubende Fertigung der teuren Henkel.
* Seit 1879 war die Produktion von Krügen automatisiert worden, nur die Befestigung der Henkel war noch Handarbeit und deshalb relativ teuer.*
Da sich herausstellte, dass
sich dadurch der Verkauf von Genever nicht verringerte, entschloss Bols sich,
die Henkel weiterhin zu fortzulassen.
Nur die (Miniatur) Werbungs-
und Musterkrüge haben den Henkel noch viele Jahrzehnte erhalten.
Wir könnten bezüglich der Standardkrüge von Bols vorsichtig schlussfolger:
1. Handgefertigte Krüge mit Blindstempel "Bols" sind produziert worden zwischen 1853 en 1879.
2. Machinell gefertigte "Bols"-Krüge, die mit einem Henkel vorsehen sind, sind produziert worden zwischen 1879 en 1914.
3. Machinell gefertigte "Bols"-Krüge ohne Henkel sind produziert worden ab 1918 (bis heute).
Übrigens benutzte Bols, evenso wie z.B."E.Kiderlen", "M.Pollen & Zoon" und "J. van der Valk", in 1. Hälfte des 20.Jahrhunderts auch Glaskrüge mit Henkel für den Verkauf ihrer Produkte.
FLASCHEN
Besonders
Liköre wurden von Bols in Glasflaschen verkauft, die gegenüber den Krügen,
relativ teuer waren.
Es waren meistens grüne
zylinderförmige Exsemplare mit einem langen Hals, hergestellt in der
Glashütte von "Wed.Thyssens & Zoon" in Amsterdam.
Für den Export von Genever
nach Ost- und West-Indiën, wurden –neben den Tonkrügen- auch die s.g.
Kelderflessen (ohne Prägung) benutzt.
· Kelder ist ein alt-holländisches Wort für Kiste. Die konischen Vierkantflaschen wurden zu 12 für den Export verpackt.
Etwa 1820 enthielten die Likörflaschen 0.86Lt (45 Stück zusammen ergaben einen s.g. Anker) oder 0.43Lt (90 in einem Anker).
Die Kelderflaschen massen damals 1.21Lt (= 1 Mingel) oder 1.82Lt (= 12 Mingel).
* ’t Lootsje heisst die kleine Scheune (in der Lucas Bols im Jahr 1575 mit seiner Destillerie begann).*
Die Etiketten zeigten ein Phantasiebild von Urvater Lucas Bols. Die Korken wurden in tiefrotem Lack gesiegelt. Die ordinairen Liköre wurden verpackt in einfache zylinderförmige Flaschen aus grünem Glas (ohne Siegel) Es gab nur winziges Etikett mit nur Namen und Nummer des betreffenden Liköres.
Im Anfang des 20.Jht
änderte sich der internationale Standard der Masse aufs Neue und auch Bols
übernahm die Inhaltsmasse: 2Lt, 1Lt und ½Lt für Krüge und Kelderflaschen und
0.75Lt und 0.375Lt für die Likörflaschen. Das Siegel verschwand.
Neben vorgenannte Flaschen
benutzte Bols noch einige andere Flascghentypen:
*Die s.g.
Zara, eine mit Binsen umflochtene schlanke Flasche für die Verpackung
von Maraschino-Likör (Marasquin). Das Wort "Zara" stammt von der gleichnamigen
Hauptstadt von Dalmatiën, wo die berühmte Griottes (einen Art von Kirschen)
wachsen, aus denen der Marasquin bereitet wurde.
In der 2. Hälfte des 19.
Jahrhunderts wurden die Zara’s (0,60Lt und 0,30Lt) mit einem Cachet "ERVEN
LUCAS BOLS HET LOOTSJE" vorsehen. Im 20.Jh verschwand das Siegel.
Nun wurden Einhaltsmassen von 0,75Lt, 0,50Lt und 0,25Lt verwandt.
*Die s.g.
Greepfles (Greifflasche), inspiriert von dem deutschen Kuttrolf, wurde
für die besseren Liköre benutzt.
In der 2. Hälfte des 19. Jht
waren auch sie versehen mit einem Cachet "ERVEN LUCAS BOLS HET LOOTSJE".
Die Flaschen (0,85Lt und 0,425Lt) waren grün oder schwarz.
Anfang
des 20. Jht verschwand das Siegel und die Flaschenfarbe ist ausschliesslich grün.
Die Inhaltsmassen sind nun
0,75Lt und 0,375Lt.
Weiterhin (20.Jh) wurde eine
Luxusausführung der Greifflasche aus Kristall herausgegeben, geätzt mit
einer Zeichnung von " 't Lootsje" und oben auf den Kristall stopfen das
Wort "BOLS".
In 1954 wurde eine stylierte Form (maschinell hergestellt) der Greiffflasche benutzt für das
Produkt Jonge Jenever "Claeryn".
*Das s.g.
Achtkantje (Achtseiter) wurde in der 2. Hälfte es 19. Jahrhunderts
benutzt mit dem Cachet "Erven Lucas Bols Het Lootsje". Hergestellt aus
klarem Glas. Inhalt 0.85Lt beziehungsweise 0.425Lt und gefüllt mit "Curaçao
White Dry Extra". Im 20.Jh verschwindet auch hier das Siegel und die
Inhaltmasse varieren von 0.125Lt bis 1Lt.
*Die s.g. Kattekop
(Katzenkopf) oder “Dutch Onion” wurde in der 2. Hälfte des 19.
Jahrhunderts versehen mit einem Cachet "Erven Lucas Bols Het
Lootsje". Hergestellt aus dunkelgrünem Glas. Inhalt 0,85Lt
beziehungsweise 0,425Lt und gefüllt mit "Curaçao Brown Dry". Im
20.Jh verschwindet auch hier das Siegel und das Gefäss wird für den
Transport von Whiskey benutzt!
Dank
Ich möchte
Herrn Jürgen Böhrens (Plön) herzlich danken für seine Beihilfe beim Übersetzung
Literatur:
"De lange levens van zeven
Nederlandse bedrijven" von Wim Wennekes. 1990.
"De branderijen in Holland tot
het begin der negentiende eeuw" von P.J. Dobbelaar. 1930
Verschiedene Beiträge im
Quartalheft von Sammlerverein "De Oude Flesch" von Lodewijk van Sint
Maartensdijk (+, ehemaliger Archivar von Bols, zwischen 1979 und 1995.)
Abbildungen:
1.
Likörflasche
2. Siegel Likörflasche
3.
2 Zara’s
4.
Siegel Greifflasche
5.
Siegel Zara “BOLS”
6.
Siegel Zara “ ’t Lootsje”
7.
Greifflasche
8.
Greifflasche
9.
Kelderflasche “1575”
10. Kelderflasche “1575”
11.
Ansichtskarte Kutsche
12.
Ansichtskarte Bauernglück
13. Werbeplakat Dienerin
14.
Werbeplakat Cupido’s
15. Holzschnitt von der alten Distillerie
16.
Etiket “Het Lootsje”
17. Mini Zara
18.
Ausgiesser
RYKSEIGENDOM
============
Peter Vermeulen
Deutsche Bearbeitung: Kristian Humbsch
I. Vorwort
Von Oktober 1967 bis November 1970 diente ich als Offizier in der damaligen TRIS (Truppenmacht in Suriname, Südamerika) in der Hauptstadt Paramaribo.
Dort begann mein Hobby:
das Sammeln von antiken Gebrauchsflaschen.
Diese Flaschen waren damals an den
historischen Aufenthaltplätze zu finden; vor allem auf den alte Plantagen, an
den Flussufern entlang and am so genannten Kordonpfad.
Dieser Pfad bildete damals eine nicht genau fixierte Grenze zwischen holländisch
dominiertem Plantagengebiet und dem Dschungel, in dem die Bosneger (entflohene
Sklaven und ihre Nachfahren) und die Indianen frei lebten.
So begann mein Abenteuer in jenem Land. Das Suchen nach den weggeworfen Flaschen
war keine Leichtigkeit. Eine gute Fundstelle war z.B. hinter dem Balkon eines
mittlerweile zerfallenen und oft überwucherten Plantagenhauses. Meistens gab es
dort einen kleinen Bach und die geleerten Flaschen wurden dort manchmal herein
geschmissen.
Im weichen Boden blieben die Flaschen meist unversehrt. Weiter froren sie nicht
kaputt und .... es gab dort nicht das Glas-Recycling wie in Europa.
Bei der Suche musste man ein breites Brett unter den Arm mitnehmen. Wer in dem
Schlamm geriet, brauchte solche Hilfsmittel um wieder herauszukommen. Meistens
gab es dort kein Menschen zum Helfen.
Aber das Schlimmste waren die Mücken, die in unheimlichen Mengen aus dem Gebüsch
herausflogen auf Jagd nach deinem köstlichen Blut.
Teilweise könnte man sich entsprechend kleiden, aber dann ertrank man fast im
eigenen Schweiß im heißen feuchten Klima.
Später war ich so glücklich einheimische Kinder zu finden, die bereit waren
gegen ein kleine Belohnung alte Flaschen zu suchen. Da es für Europäer nicht
gerade vernünftig war das örtliche Wasser zu trinken, waren die meisten
gefundenen Flaschen:
- Geneverflaschen, das zulaufende rechteckige Model, die sog. Kelderflasche ("kelder" ist ein alt-holländisches Wort für Kiste, wo sie mit zwölf zugleich eingepackt wurden).
Öfters versehen mit der Prägung (Reliefbuchstabierung), wie z.B. "E.KIDERLEN","VAN PRAAG SURINAM GIN","COSMOPOLIET" oder mit einem Glassiegel (Cachet), wie "BLANKENHEYM & NOLET", "THEODS C. MELCHERS"
- Weinflaschen, meist in Bordeaux-Form:
- Einliter-Bierflaschen (Djogo's in Takki-Takki Sprache). Bekannt ist die Bierflasche (in Rickett’s Form geblasen) mit Bodenprägung "P&A RENDORP AMSTERDAM"
- Deutsche Mineralwasserkrügen aus Ton mit Einprägung
"BRUNNENWASSER" oder "MINERALWASSER"
aus Trier, Nassau, Ems, Bad Pyrmont und anderen.
In den Stadt Paramaribo könnte man die Ufer des Suriname Flusses entlang oder im
Fall von Ausgrabungen in der Innenstadt auch noch verschiedene andere Arten von
Flaschen finden. Am meisten waren es Parfüm und Kölnisch Wasser Flaschen.
Wahrscheinlich um damals den Schweißausdünstungen zu übertreffen.
Aber mein persönlicher Favorit wurden dann die Flaschen mit Glassiegel "RYKSEIGENDOM" (= Reichseigentum).
II. "RYKSEIGENDOM" Flaschen
Das sind zylinderförmige Flaschen benutzt für Medizin
in den Militärapotheken und Hospitälern.
Die Flaschen wurden verfertigt in verschiedene Glasfarben, wie grün, schwarz,
amber, gelb und aqua (hell blaugrün). Die Masse variierten zwischen 0,05 bis 5
Liter. Die älteren Exemplare (etwa vor 1850) waren noch frei geblasen mit Abriss.
Aus dem 20.Jahrhundert folgen noch Exemplare mit dem
Glassiegel "DOMEINSEIGENDOM" (= Domäneneigentum).
Die meiste "Rykseigendom" Flaschen sind in Suriname gefunden worden. Dass lässt
sich erklären. In Paramaribo befanden sich ein Militar- und ein Landes- (Reichs)
Hospital. Die viele tropischen Krankheiten förderten ein intensiven
Medizingebrauch. Auch gab es höchstwahrscheinlich keine
Pfandflaschen-Retourlinie, wie in den Niederlanden.
Von den elf Flaschen meiner Sammlung wurden acht in Suriname gefunden, eine in
Alkmaar (dort gab es eine Kadettenschule mit Apotheke) dazu je ein Exemplar in
Middelburg (Marinebasis) und in den USA. Dieses Exemplar ist dort wahrscheinlich
von Amerikanern aus Suriname mitgenommen.
Dazu ein französisches Äquivalent mit der Prägung "HOPITAUX COLONIES"
(10cm; 0,15lt) aus Fransözisch-Guyana (Südamerika).
III Die Rijkseigendom Münze
Eine überraschende Ergänzung erfuhr diese Sammlung
durch das Geschenk von einem belgischen Vereinsmitglied.
Eine sinke Münze (3cm im Durchmesser): Avers "MILITAIRE APOTHEEK" und
Revers "RIJKSEIGENDOM".
Ich habe darüber publiziert in einem Militarznei Zeitschrift "De Polsslag" und
ich habe mich erkundigt beim "Rijksmunt" (Reichsmünz) wo die niederländische
Münzen geschlagen wurden und beim "Penningenkabinet" (Pfenningenkabinett), ein
Art Münzenmuseum.
Aus den verschiedene Reaktionen, die ich bekommen habe, stellte sich heraus:
Es existieren auch Münzen mit einem Wertaufdruck (8 und 15 Cent).
Das Büchlein "Pharmaceutische penningen, plaquettes en draagtekens" (Pharmazeutische
Pfennigen, Plaketten und Tragzeichnen) von Dr. D.A. Wittop Koning vermeldet
darüber noch das Bestehen von einer Variante in Kupfer.
Bis 1953 waren diese Münzen noch als Pfandgeld im Gebrauch gewesen!
Auch der Konservator von "Het Nederlands
Muntmuseum" in Utrecht kommt in seinem Artikel "Penningen Militaire Apotheek"
zum gleichen Ergebnis.
Die Rijkseigendom-Münzen wurden beim Kassierer in der Kaserne gekauft. Beim
Abholen der Medizin in Flaschenverpackung musste eine Münze abgegeben werden.
Die Münze wurde wieder zurückgegeben beim Zurückbringen der leeren Flasche. Die
Medizin selbst wurden übrigens umsonst ausgegeben.
Beim Kassierer konnte man die Münzen wieder umtauschen gegen Bargeld.
Der Vorteil des Glassiegels "Rykseigendom" für die Militärapotheken war, dass
man die eigene Flaschen immer zurück bekam. Andere Flaschen konnten verweigert
werden.
Aber im 20.Jh kostete das handangebrachte Glassiegel mehr als die Flasche selbst!
Meiner Meinung nach wurde deshalb das Siegel von der Münze ersetzt.
Der Rijksmunt in Utrecht hat diese Münzen auch im Nachkriegszeit noch bis 1956
geschlagen. Im Total 55.500 Stück.
Das Pfandgeldsystem war noch bis 1963 in gebrauch.
IV Zur Historie
Das Glassiegel mit "RYKSEIGENDOM" wurde nach
der Gründung des Koninkrijk der Nederlanden unter König Willem I (1815)
eingeführt.
Doch vermeldet - das sehr lesenswürdiges - Buch von Johan Soetens "In glas
verpakt, kunst, kitsch en koopmanschap" auf Seite 111 "Een bijzondere reeks
eigendomzegels vindt men op de medicijnflessen van het Nederlandse leger, die
omstreeks 1800 in de West-Indische koloniën gebruikt werden."
(Eine besondere Serie Eigentumssiegel findet man auf den Medizinflaschen der
holländischen Armee, die um 1800 in den westindischen Kolonien gebraucht wurden).
Es ist deutlich, dass diese Glassiegel nicht nur in West-Indien gebraucht wurden,
sie sind auch von etwas späterem Datum als Soetens behauptet.
Auch W.A. Klein schätzt in seinem Artikel "Antieke gebruiksflessen in Suriname"
das Altertum dieser Flaschen etwas zu hoch.
Im Bezug auf die Schreibweise soll es zwei Kategorien geben. Mit dem Buchstabe
"Y" in Rykseigendom deutet er: Endes 18.Jh.
Auffällig ist weiterhin, dass er die Flaschen mit dem Buchstabe "IJ" in
Rijkseigendom später schätzt (Mitte 19.Jh). Für diesen Unterschied habe ich
übrigens nirgendwo einige Unterstützung finden können.
Meine - von der Herstellungstechnik her - jüngste Flasche dieses Typs (früh
20.Jh) hat ein Glassiegel mit "Rykseigendom", also mit Buchstabe "Y".
N.B.: In der holländische Sprache wurden die Buchstaben "Y" und "IJ" öfters durcheinander gebracht und geschrieben.
Früher wurde auch die Buchstabe "Y" als "IJ" benutzt.
Abbildungen:
1. Glassiegel "RYKS-EIGENDOM *" (mit Strich und Sterne)
2. Glassiegel "RYKSEIGENDOM" (zusammengeschrieben, ohne
Sterne)
3. Flaschen in gelb und amber von 0,25 bis 2,65Lt
4. Flaschen in aqua und grün von 0,05 bis 0,40Lt
5. Flasche, in klares Glas "HOSPITAUX COLONIES" 0,06Lt.
Die gelbe Farbe stammt von einem Residu der ursprünglichen Medizin
6. Zinken Münze "RIJKS-EIGENDOM" (mit ij)
7. Kehrseite der Münze "MILITAIRE APOTHEEK"